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Karfreitag und Ostern

Karfreitag ist seit meiner Kindheit ein besonderer Tag. Ich bin in einer religiösen Familie aufgewachsen und habe die Ostertage immer als sehr intensiv erlebt und ihnen in Bezug auf meinen Glauben größte Bedeutung beigemessen. Das ist immer noch so, doch hat sich mein Blickwinkel sehr geändert. Ich habe im Laufe der Jahre viel hinterfragt und mich sehr von einer Spiritualität inspirieren lassen, die weniger einengend und dogmatisch ist. Gleichzeitig finde ich die Person Jesu Christi und das, was man über ihn weiß und erzählt, v.a. aber seine Botschaft unglaublich spannend, inspirierend und bereichernd. Ich bedaure es sehr, dass er bereits so früh sterben musste … hätte er noch 20 Jahre mehr Lebenszeit gehabt, wäre seine Botschaft heute vielleicht auch anders verbreitet … doch ein „hätte“ bringt uns nicht weiter. Vielmehr ist es mir ein Anliegen, zu schauen, was ich heute aus diesen energetisch hochschwingenden und so erinnerungsträchtigen Tagen mitnehmen kann.

Zu einem Karfreitag passte für mich früher immer ein regnerischer, dunkler Tag, der auch äußerlich die Trauer und die Schwere dieses Tages ausdrückte. Nun war es in diesem Jahr so ganz anders: die Sonne schien schöner, wärmer, strahlender denn je – so war es mein Eindruck. Ich machte mich in aller Frühe auf den Weg … ich ging einfach los … ich wollte mich führen lassen, in die Natur, in die Verbindung zu mir selbst und zu der Anbindung an die göttliche Quelle. Und so zog ich los … genoss die blühenden Bäume und Blumen am Wegesrand, genoss das Alleinsein – das All-Eins-Sein … ich war so verbunden, spürte, dass wir alle miteinander verbunden sind … und konnte in mir eine unbändige Freude fühlen … und das am Karfreitag!!! In dieser Verbundenheit konnte ich das Thema des Tages auf eine neue Weise annehmen und erleben: Traurigkeit, Schmerz und Dunkelheit gehören zu meinem Leben und gerade in dieser Zeit, in der wir auf die sozialen Kontakte so sehr verzichten, was ich stellenweise als schmerzhaft erfahre und mich auch traurig macht. Doch mitten in diese Situation – mitten in die Trauer und den Schmerz kommt da dieses Gefühl des All-Eins-Seins, der Verbundenheit und der Tiefe des Moments. Ich glaube, dass Jesus dieses All-Eins-Sein genauso gespürt hat, dass es ihm die Kraft gegeben hat, diesen Weg für uns alle zu gehen – beispielhaft. Dass wir durch seinen Kreuzweg erkennen dürfen, wer wir sind und wozu wir hier auf dieser Erde sind, jetzt, in diesem Moment. In dieser Verbundenheit mit der göttlichen Kraft und Weisheit können wir erfahren, dass wir alle göttliche Wesen sind, die hier auf der Erde die Erfahrung der Dualität zu machen – den inneren Schmerz genauso erleben und liebe zu wollen wie die Schönheit der Natur und des Seins! Das Fest Ostern kommt von Ostara. Das Wort leitet sich ab vom Lateinischen „aurora“, was Morgenröte bedeutet. Das Licht kehrt zurück nach der dunklen Zeit des Winters und mit dem Licht auch die Wärme und das Wachstum v.a. in der Natur. Letztlich hat man seit jeher die Auferstehung der Natur gefeiert. Und diese Auferstehung der Natur habe ich an diesem Karfreitag ganz besonders intensiv wahrnehmen und spüren können. Trotz aller Traurigkeit, trotz aller Schwere, die der Tag in seiner Bedeutung für mich in sich trug, war es mir möglich, die Leichtigkeit des Seins zu spüren und die Natur dafür zu bewundern, dass sie einfach weiterblüht, dass die Vögel zwitschern, weil sie genau diese Auferstehung der Natur spüren, weil es Zeit für sie ist, endlich wieder zu singen. Auch zur Zeit Jesu blieb die Natur nicht stehen, stand nicht still, sondern blühte, die Knospen gingen auf, die ersten Blüten zeigten sich und hielten somit die Energie für das, was an Schwere da war, für das, was getragen werden wollte … und durch die Balance von Schwere und Leichtigkeit von Trauer und Fröhlichkeit eben erst möglich wird. Genau das ist es, was mir einen tiefen Frieden schenkte – Frieden und Freude darüber, dass für alles gesorgt ist, dass es das Leben gut mit mir meint, und zwar immer! Es ist immer genug Energie da, um die schweren Momente auszuhalten. Es ist immer genug Licht da, um Helligkeit ins Dunkel zu bringen. Es ist immer genug Kraft da, um den Durchbruch durch die dunkle Erde ans Licht zu bewältigen. Annehmen, was ist, und dabei bleiben – es einfach mal sein lassen und dann schauen, was sich daraus zeigt. Das brachte mir einen kleinen Vorgeschmack auf die Ostertage, die nun noch vor mir liegen.

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