Mein Weg der Vergebung

Vergebung ist ein unglaublich kraftvolles Tool, das dazu beiträgt, zum Frieden in deinem Herzen zu finden. Dazu ist es hilfreich, wenn du dich von all den inneren Vorwürfen, Angriffen und Schuldzuweisungen befreist und alte Glaubenssätze und Erfahrungen loslässt. Dies geschieht am einfachsten, indem du mehr und mehr bereit bist, dir selbst, anderen und dem Leben zu vergeben.

In diesem Blogartikel teile ich mit dir, meine Erfahrungen aus einem intensiven Vergebungsprozess, dem ich mich im Sommer 2021 gestellt habe und der mich lehrte, wie sehr Vergebung, Gewaltfreie Kommunikation und Mitgefühlsmeditation miteinander verbunden sind und wie kraftvoll die Kombination aus allem ist. Ich erzähle dir, was man unter dem uralten Vergebungsritual Ho’oponopono versteht und wie du es für dich ausprobieren und anwenden kannst. Ich zeige dir an einem Beispiel, inwiefern mich die Gewaltfreie Kommunikation dabei unterstützt hat, mir selbst zu vergeben. Und ich teile mit dir, wie mich meine tägliche Mitgefühlsmeditation im gesamten Vergebungsprozess unterstützt hat.

Vorab vielleicht noch ein paar Sätze dazu, wie es überhaupt dazu kam, dass ich diesen Weg gehen wollte und bereit war, all den Überraschungen, die dabei auf mich warteten, anzunehmen. Vielleicht kennst du auch Momente in deinem Leben, in denen du ausgesprochen hart und verurteilend mit dir selbst umgehst. Zu einem Freund / einer Freundin würdest du all die Worte, die du dir selbst zusprichst, niemals sagen. Einem lieben Menschen würdest du niemals so urteilsvoll und unbarmherzig gegenübertreten. Doch die Worte, die deine innere Stimme findet, um dir selbst klarzumachen, dass du einen Fehler gemacht hast, sind oftmals grausam, hart und erbarmungslos. Wenn ich mich dabei erwischte, dass diese Stimme mal wieder vom Leder zog und mich klitzeklein machte, war ich oft so betroffen und schockiert, dass ich mich sofort für all diese Worte verurteilte … es war ein Teufelskreis. Und da wollte ich raus. Denn es gab da auch noch eine andere Stimme – viel zarter, sanfter und leiser, deren Worte wie Balsam für meine verletzte Seele waren, die mir Mut zusprach und mir Halt gab. Genau dieser Stimme wollte ich mehr Aufmerksamkeit schenken, sie lauter drehen und in bestimmten Situationen meinen Fokus auf sie legen.

Doch ich verstand immer mehr, dass das nicht so leicht ist, wie wenn ich einfach das Radio lauter drehe. Und ich konnte auch die laute Stimme nicht einfach runterdimmen oder ausschalten. Der erste große Schritt auf meinem Weg war: Bewusstwerdung. Ich erlaubte mir, immer dann, wenn es mal wieder so weit war, der Stimme Gehör zu schenken und sie nicht sofort zu verurteilen. Denn mir war klar, dass sie nicht umsonst in mir ist … sie scheint eine Aufgabe zu haben und es macht Sinn, ihr zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Es hilft mir nicht, wenn ich sie wegdrücke oder mich dafür verurteile, wenn sie loslegt. Das macht für mich die Situation nur noch schlimmer und meine Gefühle fahren in den Keller. Und so nutzte ich die Gewaltfreie Kommunikation und stellte mir diese Fragen.

Vergebung und Gewaltfreie Kommunikation

  • Wofür verurteile ich mich gerade? Welche Handlung oder welches Verhalten halte ich für „falsch“ und verurteilenswert?
  • Welches Bedürfnis erfülle ich mir mit diesen Handlungen bzw. versuche ich mir zu erfüllen? (Eine der Grundannahmen der GfK geht davon aus, dass ich versuche, mir mit allen Handlungen Bedürfnisse zu erfüllen.)
  • Dann versuchte ich, mir dafür Wertschätzung zu geben, dass ich einen/diesen Weg gefunden hatte, mir diese Bedürfnisse zu erfüllen, indem ich die die ersten drei Schritte der GfK gegangen bin:
    • Beobachtung: Wenn ich sehe, dass ich … sage oder tue,
    • Gefühl: fühle ich mich … / bin ich …
    • Bedürfnis: weil mein Bedürfnis nach … erfüllt ist.

Dann nahm ich mir Zeit, in mich hineinzuspüren und wahrzunehmen, was sich körperlich bemerkbar machte, wenn ich mein Verhalten anerkannte … wenn ich mir erlaubte, die Perspektive zu wechseln und nicht sofort in die Verurteilung zu gehen. Es war faszinierend, denn die körperliche Reaktion war erstaunlich intensiv. Ich konnte immer, wirklich immer, eine kleine Entspannung, eine Weite, eine Weichheit spüren. Oftmals ging die Übung auch mit einer veränderten Körperhaltung einher. Gleichzeitig heißt dies natürlich nicht, dass ich mein Verhalten gutheiße. Es geht vielmehr darum, meinen guten Grund dafür zu finden, der mich zu dieser Handlung geführt hat, und das dahinterliegende Bedürfnis zu ergründen. Es ist wie ein Perlentauchen – die Perle (= das Bedürfnis) ist immer glänzend, ist immer schön, ist immer in Ordnung!

Gleichzeitig kann ich mein Verhalten bedauern und dies auch mir gegenüber ausdrücken. Dabei hat mir Ho’oponopono geholfen.

Vergebung durch Ho‘oponopono

Vor 10 Jahren lernte ich dieses hawaiianische Vergebungsritual zum ersten Mal kennen. In einem Wochenendseminar durfte ich die ungeheure Kraft, die dahintersteht, erleben und war fasziniert davon, wie simpel es war und wie kraftvoll zugleich. Es basiert auf einer Tradition, die davon ausgeht, dass alles, was uns im Außen begegnet, auch von uns kreiert wurde. Wenn also jemand einen Fehler macht oder mich verletzt bzw. mir Schaden zufügt, übernehme auch ich selbst Verantwortung dafür, weil ich selbst auf einer höheren Ebene ebenfalls dazu beigetragen habe, dass ich dies erlebe. In Hawaii gehen die Menschen viel deutlicher davon aus, dass alles miteinander verbunden ist. So gibt es die alte Familientradition, dass ein Mensch, der einen Fehler gemacht hat, in die Mitte seiner Familie gesetzt wird und alle sitzen im Kreis um ihn herum. Doch kein einziger klagt ihn an. Vielmehr wenden sie Ho’oponopono an und sagen dem Menschen in der Mitte, dass es ihnen leidtut, dass auch sie durch ihr „so-Sein“ dazu beigetragen haben, dass dies geschehen ist. Denn wir alle machen Fehler und tragen die Energie in uns, Dinge zu tun, die wir später bereuen und die uns leid tun. In diesem Zusammenhang gefallen mir zwei Metaphern sehr gut, die dies verdeutlichen: Wenn ich mit heißen Kohlen einen Menschen bewerfen möchte, um ihn zu strafen oder ihm wehzutun, dann verletze ich mich selbst am meisten! Genauso das Bild: Wenn ich mit einem Finger auf einen Menschen zeige, zeigen mindestens drei andere Finger auf mich selbst! Wenn ich mir dies bewusst mache, empfinde ich persönlich ein großes Gefühl der Demut und werde mir klar, dass ich nie das Recht habe, einen anderen Menschen zu verurteilen, „bevor ich nicht einen Tag und eine Nacht in seinen Schuhen gelaufen bin“. Dann fällt es mir leichter, zu vergeben, weil ich aus der Opferrolle aussteige, sondern ganz bewusst Verantwortung für mich und für die Welt, in der ich lebe, übernehme. Wir können die Vergangenheit nicht ändern oder rückgängig machen. Was wir allerdings immer verändern können, ist unsere innere Einstellung zu dem, was passiert ist, und in dem Moment verändert sich auch alles um uns herum. Wenn wir Vergebungsarbeit machen, erkennen wir, dass wir nicht länger das Opfer sind, sondern volle Verantwortung übernehmen. Dadurch befreie ich mich von altem Schmerz, lasse Vorwürfe gegenüber anderen Menschen und gegenüber mir selbst los und kann mitfühlend, achtsam und tatsächlich auch ein Stück „weiser“ sein. Auch wenn ich mir die Situation vielleicht anders gewünscht hätte, auch wenn es weh tat und Schmerzen bereitete, so kann ich es doch voll und ganz annehmen, weil auch das zu meinem Leben dazugehört und mir letztlich eine wertvolle Erfahrung ermöglichte.

Vergebung ist einfach ein anderer Name für Freiheit. – Byron Katie

 

Grundlage von Ho’oponopono sind die vier Vergebungssätze:

Es tut mir leid.
Bitte vergib mir.
Ich liebe dich.
Danke.

Ho’oponopono ist nicht dafür da, „das Verhalten“ einer Person zu lösen, um „aus ihr einen besseren Menschen zu machen“, sondern besteht aus einem inneren Vergebens- und Liebesprozess, das in sich selbst zu heilen, zu lösen und zu transformieren, was sich dir im Außen zeigt. Die Worte sind dabei gar nicht das Wichtigste, vielmehr geht es um die Intention und das Gefühl, das diese Worte sprechen lässt und somit auch um die „Klangschwingung“ der Worte, die die Wirkung bedingt. Daher sprichst du die Sätze von Ho’oponopono auch nicht zu der Person, der du vergeben möchtest, sondern immer zu deinem höchsten Selbst bzw. zu der höheren Kraft, universellen Liebe, zum göttlichen Ich, zur kosmischen Intelligenz – nenne es gerne so, wie es sich für dich richtig anfühlt.

Es tut mir leid.

Damit sagst du, dass das, was in dir ist, dir selbst Leid zufügt. Es ist daher ein Ausdruck dafür, was du dir selbst antust. Nimm wahr und fühle, was in dir ist und welche Auswirkungen es auf dich und in der Spiegelung im Außen hat. Es geht darum, zu fühlen und anzuerkennen, dass die universelle Harmonie durch die Erfahrung gestört ist und dass du vergessen hast, wer du in Wahrheit bist. Und dann öffne dein Herz und fühle die Wirkung in dir.

Bitte vergib mir.

Du bittest dein höchstes Selbst beziehungsweise die höhere Kraft um Vergebung, dass du nicht bereichernd zum Leben beigetragen und gehandelt hast. Erinnere dich daran, dass Vergebung eine der stärksten Frequenzen ist, die du zur Lösung einer Situation anwenden kannst (vgl. auch Colin Tipping: Radikale Selbstvergebung). Konkret bedeutet es, dass du dir selbst verzeihst für das, was du dir angetan hast.

„Der erste Schritt zur Vergebung ist der Wille, zu vergeben.“ (Marianne Williamson)

Ich liebe dich.

Du erlaubst dir, mit deinem höchsten Selbst in die Vergebung zu gehen. Die universelle Kraft gibt dir die Möglichkeit, loszulassen, zu heilen und wieder vollständig zu werden. Denn in dem Moment, in dem du liebst und jeglichen Widerstand im Inneren und Außen komplett aufgibst, erfährst du Liebe. Bedingungslose Liebe ist die stärkste Kraft im Universum.

Danke.

Du bedankst dich bei deinem höchsten Selbst dafür, dass ein Raum in dir entstehen kann, in dem deine Erinnerung keine emotionale Ladung mehr hat. Durch diese Neutralität bekommst du die Möglichkeit, die Erfahrung neu zu bewerten und ihr eine Bedeutung zu geben, die dich stärkt. Du bedankst dich dafür, dass du neu wählen kannst, wer du sein möchtest und wie du dein Leben erschaffen willst.

„Wenn das einzige Gebet, das du in deinem Leben sprichst,
aus einem „Ich danke dir“ bestünde, würde das schon genügen.“
Meister Eckhart

So wendest du Ho’oponopono also konkret für dich an:
Es tut mir leid, dass ich so verletzend und hart mit mir selbst umgegangen bin. Ich bedaure dies aus tiefstem Herzen. 
Bitte verzeih mir, dass ich es in diesem Moment nicht besser wusste, dass mir die Möglichkeiten und Alternativen fehlten.
Ich liebe dich. Ich spüre diese Liebe in mir und gebe allen Widerstand auf.
Danke, danke, danke, dass ich jetzt neu wählen kann, dass ich mich jetzt für die Freiheit, die Liebe und das Loslassen entscheiden kann. Danke, dass Vergebung und Transformation jetzt geschieht. Danke.

Wenn du einem anderen Menschen vergeben möchtest, könntest du dies sagen:
Es tut mir leid, dass diese Situation in meinem Leben ist.
Bitte verzeih mir, dass auch ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass auch ich diese Situation mit verursacht habe. Ich verzeihe mir und ich verzeihe dir.
Ich liebe dich. Ich liebe mich. Ich komme aus der Liebe und kehre zu ihr zurück. Ich gebe allen Widerstand auf und erkenne die Situation an.
Danke, danke, danke. Danke, dass ich die Situation aus einer neuen Perspektive sehen kann. Danke, dass ich jetzt die Kraft habe, loszulassen. Danke, dass ich erlaube, mich jetzt davon zu befreien. Danke, dass ich jetzt wieder heil (whole) werden darf.

Liebevolle Güte (Metta-Meditation)

Meinen ganz persönlichen Vergebungsprozess beendete ich immer mit einer Metta-Meditation.
Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, was dies genau ist, schau gern auf meinen Blog-Artikel vom 1. August 2020. Da erfährst du Hintergründe dazu. Außerdem lasse ich dich in den darauffolgenden Artikeln teilhaben an einer intensiven Erfahrung in einem Metta-Retreat bei Marie Mannschatz. Schau gern da vorbei und informiere dich dort.
So konnte ich mich mit den Sätzen der Metta-Meditation verbinden und sie für mich so formulieren:
Möge ich sanftmütig sein.
Möge ich milde mit mir sein.
Möge ich frei von Verurteilung sein.
Diese Sätze rezitierte ich innerlich als Abschluss meiner täglichen Vergebungsarbeit immer und immer wieder. Sie wurden mir ein inneres Mantra, das ich mit in meinen Tag nahm, das mich begleitete und mich erinnerte: Glücklichsein ist mein Geburtsrecht! Ich muss es mir nicht verdienen oder etwas dafür leisten. Ich darf glücklich sein. Ich darf frei sein. Ich bin Liebe. Ich komme aus der Liebe und kehre zu ihr zurück.

Du kannst die Sätze auch der Person schicken, der du verzeihen möchtest:
Mögest du sanftmütig sein.
Mögest du milde zu dir sein.
Mögest du frei von Verurteilung sein.
Fühle diese Sätze, schicke sie in reinster Absicht an diesen Menschen und lass dabei los … Vertraue, dass alles genau so geschieht, wie es dem höchsten Wohle aller Wesen dient.

Nach dieser intensiven Zeit und der täglichen inneren Arbeit mit der Thematik fühle ich mich tatsächlich ein bisschen wie nach einem retreat – gleichzeitig heißt das nicht, dass ich jetzt „damit durch bin“.

Vergebung ist keine einmalige Sache.
Vergebung ist ein Lebensstil.
M.L. King

Vielmehr geht es darum, diesen Lebensstil mehr und mehr in meinen Alltag zu integrieren. Vielmehr zu lieben, weniger zu urteilen. Gleichzeitig in guter Verbindung zu mir und meinen Werten zu bleiben. Annehmen heißt nicht hinnehmen. Somit fordert mich Vergebung auch auf, zu mir zu stehen, an mich zu glauben, dafür loszugehen, was mir wichtig ist, mich immer wieder auf das Leben einzulassen und darauf zu vertrauen, dass alles kommt, wenn’s an der Zeit ist!

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Zeilen ein wenig Inspiration sein, die vielleicht sogar ermutigen, selbst den Weg der Vergebung zu gehen – für dich, für dein Heilsein, für deinen inneren Frieden!

Es gibt kein größeres Herz in dieser Welt
als jenes, das verzeiht.
Benoit Lacroix

Schreib mir gerne in die Kommentare, was du über diesen Blogartikel denkst, welche Erfahrung du mit Vergebung gemacht hast und welche Tools du vielleicht zusätzlich kennst, um den Weg der Vergebung zu gehen.

Von Herzen
Alexandra

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